Hans Haacke



VORTRAG
Montag 11. Juni 2012
19.00 Historische Aula





Hans Haacke (*1936 Köln, lebt in New York) gilt als Wegbereiter politischer Kunst, die sich formal auf den Minimalismus bezieht. Mit seiner sozio- und kunstpolitischen Themen zugewandten Konzeptkunst erregt Haacke seit den 70er Jahren immer wieder internationales Aufsehen. Kern seines Schaffens bildet die kritische Analyse und Darstellung politischer, ökonomischer und institutioneller Verflechtungen von Protagonisten des Kunstmarktes und des Museumsbetriebs, von Sponsoren und Großsammlern.

Eine seiner bekanntesten Arbeiten entstand 1971, als er durch systematische Recherche-Arbeit die skandalösen und illegalen Mietspekulationen einer New Yorker Holding aufdeckte. Die Präsentation der Arbeit, die für Haacke ebenfalls ein „Realzeit-System“ darstellt, wurde im Guggenheim Museum von dem Direktor Thomas Messer untersagt und der zuständige Kurator entlassen.

Zu Beginn der sechziger Jahre erforschte Haacke unter dem Einfluss der Düsseldorfer Künstlergruppe ZERO die Grenzen der Kunstinnenräume zum öffentlichen Raum hin und arbeitete über geschlossene Systeme, die die Ready-Made Idee Marcel Duchamps aufgreifen, aber auch ohne die Umgebung der Institution Museum funktionieren sollen, wie der „Kondensationskasten“ von 1963. Fast Vierzig Jahre später, 1999, scheiterte die Ausstellung seiner Arbeit „Sanitation“ in New York fast am Protest des Bürgermeisters Rudolph Giuliani. Haacke zog in seiner Arbeit Parallelen zwischen der Beinahe-Schließung des Brooklyn Museum durch den Bürgermeister im Jahr zuvor und der nationalsozialistischen Hetzkampagne „Entartete Kunst“. In Deutschland stimmte der Deutsche Bundestag über die Aufstellung seines Werkes „Der Bevölkerung“ ab. Nur knapp wurde das kontrovers diskutierte Werk genehmigt, das den belasteten Begriff „Volk“ über dem Portal des Reichstages thematisiert.

Gegenüber Institutionen hat sich Hans Haacke als Künstler stets seine Unabhängigkeit bewahrt und ist durch seine vorbildhafte Haltung insbesondere für Künstlerkollegen zu einer wichtigen Instanz geworden.





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